Der Begriff der „Schrottimmobilien“ steht für eine Vielzahl wirtschaftlich gescheiterter finanzierter Immobilienkapitalanlagen, aus deren Beteiligung Anlegern Schäden in immensen Dimensionen entstanden sind und bis zum heutigen Tage noch entstehen. Anders als es die Bezeichnung zunächst vermuten lässt, handelt es sich in aller Regel zwar nicht um „Bruchbuden“ im Sinne von baufälligen oder grob mangelhaften Objekten.

Gleichwohl stellt sich die Investition für viele Anleger als schwerwiegendes wirtschaftliches Problem dar. Grundkonzept aller Modelle war der „finanzierte Immobilienerwerb ohne Eigenkapital zwecks Steuerersparnis“. Im Rahmen der Beratungsgespräche wurde den Anlegern durch die Vermittler typischerweise versprochen, dass sie das Darlehen bei der Bank allein oder zumindest größtenteils aus den Mieteinnahmen und Steuervorteilen zurückführen könnten. Zudem wurde in aller Regel auch die besondere Werthaltigkeit der Immobilie hervorgehoben und ein gewinnbringender Weiterverkauf zugesagt.

Die Realität sah jedoch oftmals völlig anders aus. Die versprochenen Mieten waren nicht zu erzielen. Gegebene Mietgarantien erwiesen sich als wertlos. Auch die steuerlichen Vorteile traten in aller Regel nicht in der prognostizierten Höhe ein. In der Konsequenz gerät das Grundkonzept aller Modelle in Schieflage. Die Darlehen können nicht aus Mieten und Steuervorteilen bedient werden. Vielmehr werden Zuzahlungen aus dem sonstigen Vermögen der Anleger notwendig, die manchmal gar nicht oder jedenfalls nur unter größten Anstrengungen erbracht werden können.

Ein weiteres, äußerst gewichtiges Problem ist die Minderwertigkeit der Objekte. Die den Anlegern abverlangten Kaufpreise waren oftmals ganz erheblich überhöht. Somit stehen den Investitionen weitaus geringere Gegenwerte gegenüber. Die Schere zwischen den tatsächlichen Verkehrswerten der Immobilien und den Darlehenssummen kann existenzgefährdende Dimensionen annehmen. Noch offene Darlehensforderungen in Höhe des zwei- bis dreifachen der tatsächlichen Werte sind in der Praxis leider keine Seltenheit. Anlegern, denen die Minderwertigkeit nicht bewusst ist, „sitzen“ bildlich gesprochen auf „einer tickenden Zeitbombe“, die in aller Regel erst Jahre später, etwa bei Verkaufs-oder Umfinanzierungsversuchen, „explodiert“.

Natürlich ist nicht jede zu Steuersparzwecken erworbene Immobilie zur Kapitalanlage auch eine tatsächliche „Schrottimmobilie“. Anleger sollten aber unbedingt wachsam sein, um möglichst bald reagieren und so Schäden vermeiden zu können.

Wer bezüglich seiner Immobilienkapitalanlage unsicher ist oder Anzeichen von Fehlentwicklungen feststellt, kann sich in einem ersten Schritt anhand unseres 10-Punkte-Leitfadens, der unter anderem in der Fachzeitschrift Vermögen und Steuern, Heft 12/2011, veröffentlicht worden ist, einen Überblick über seinen individuellen Handlungsbedarf verschaffen. Selbstverständlich kann dieser Leitfaden eine qualifizierte Rechtsberatung im jeweiligen Einzelfall nicht ersetzen.

Sehr gerne stehen wir Ihnen für eine ausführliche Besprechung Ihrer Angelegenheit zur Verfügung.

 

Bei Rückfragen wenden Sie sich vertrauensvoll an uns. Anlegern bieten wir die Möglichkeit einer kostenlosen und unverbindlichen Ersteinschätzung.

Der 10-Punkte Leitfaden
1. Recherchieren Sie im Internet:
Bei der Suche nach Ihrem Immobilienverkäufer oder dem Vertriebsunternehmen könnten Sie erste Anhaltspunkte zu deren Seriosität und Informationen zu Ihrer Kapitalanlage finden.

2. Nutzen Sie die Gemeinschaft unter Miteigentümern:
Sammeln Sie gemeinsam Informationen zu Ihrer jeweiligen Wohnanlage. Wichtig sind vor allem Unterlagen aus Zeiten der Beratung, des Kaufs und der Finanzierung. Dies können beispielsweise Prospekte, Berechnungsbeispiele, Schreiben und Bestätigungen des Bauträgers oder Vertriebs sein. Klären Sie, welche Bank die anderen Miteigentümer finanziert hat.

3. Verschaffen Sie sich einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben Ihrer Immobilie:
Kontrollieren Sie auf der Einnahmenseite Mieteinnahmen und dauerhafte Steuervorteile, auf der Ausgabenseite Zinsen und Tilgung, Betriebskosten sowie sonstige objektbezogene Aufwendungen. Ist Ihnen bislang ein Unterdeckungsschaden, also ein Verlust entstanden?

4. Prüfen Sie, ob es eine Tilgungslücke gibt:
Vergleichen Sie den offenen Darlehensrest bei der Bank mit dem aktuellen Verkaufswert Ihrer Immobilie.

5. Prüfen Sie Ihre Darlehenskonditionen:
Entsprechen die vereinbarten Zinsen dem aktuellen Marktniveau? Wie hoch war der marktübliche Zins zum Zeitpunkt, als der Darlehensvertrag abgeschlossen wurde?

6. Vergleichen Sie die Mietpreisentwicklung:
Decken sich die versprochenen Miteinnahmen mit der tatsächlich erzielten Miete? Welche Miete ist dauerhaft und langfristig erzielbar? Näheres hierzu finden Sie in den regionalen Mietspiegeln.

7. Prüfen Sie das Datum Ihrer Immobilienkapitalanlage:
Haben Sie bereits vor längerer Zeit Ihre finanzierte Kapitalanlage getätigt und stellen Unregelmäßigkeiten fest, sollten Sie unbedingt wachsam sein. Handelt es sich nämlich tatsächlich um eine sogenannte Schrottimmobilie, besteht die Gefahr, dass etwaige Schadensersatzansprüche verjähren.

8. Kontaktieren Sie Ihren Vermittler:
Stellen Sie ihm konkrete Fragen zu Ihrem Objekt und Ihren bisherigen Feststellungen, im Idealfall in einem persönlichen Gespräch und in Gegenwart eines Zeugen.

9. Kontaktieren Sie Ihren Immobilienverkäufer:
Bitten Sie um ein persönliches Gespräch und lassen Sie sich sämtliche Unterlagen zu Ihrer Immobilie vorlegen. Nehmen Sie auch hier einen Zeugen zum Gespräch mit.

10. Ziehen Sie einen erfahrenen Fachmann zu Rate:
Anleger, die auf Nummer sicher gehen möchten, sollten sich von einem auf dem Gebiet des Bank- und Kapitalanlagerechts fachkundigen Rechtsanwalt beraten lassen. Dieser kann die stets notwendige, sorgfältige Aufarbeitung des jeweiligen Einzelfalls vornehmen. Erst hiernach kann und sollte entschieden werden, ob und auf welchem Wege gehandelt werden muss.

Aktuelle Entscheidungen zum Thema "Schrottimmobilie"

21. April 2017

Schrottimmobilien aus 2007: Verjährungsfrist läuft taggenau in 2017 ab!

Anleger, die im Jahr 2007 in gescheiterte finanzierte Immobilienkapitalanlagen investiert haben, müssen bald tätig werden. Denn nach zehn Jahren läuft die Verjährungsfrist ab. Dies ist taggenau (mehr erfahren)
26. Januar 2017

Urteil des LG Leipzig vom 14.12.2016: Zwangsvollstreckung der Adaxio AMC GmbH erneut für unzulässig erklärt!

Das LG Leipzig stellte mit Urteil vom 14.12.2016 fest, dass die seitens der Adaxio AMC GmbH (ehemaligen Paratus AMC GmbH) betriebene Zwangsvollstreckung unzulässig ist. Nachdem schon (mehr erfahren)
10. Januar 2017

Urteil des LG Essen vom 01.12.2016: Zwangsvollstreckung der Adaxio AMC GmbH ist unzulässig!

Das LG Essen stellte mit Urteil vom 01.12.2016 fest, dass die seitens der Adaxio AMC GmbH (ehemaligen Paratus AMC GmbH) betriebene Zwangsvollstreckung unzulässig ist. Nachdem schon (mehr erfahren)
2. Januar 2016

Urteil des LG Erfurt vom 18.12.2015: Vollstreckung der Adaxio AMC GmbH allein aufgrund des Widerrufs des Darlehensvertrages unzulässig

Das LG Erfurt stellte mit einer bahnbrechenden Entscheidung vom 18.12.2015 fest, dass die seitens der Adaxio AMC GmbH (ehemaligen Paratus AMC GmbH) betriebene Zwangsvollstreckung unzulässig ist. (mehr erfahren)
30. September 2015

Urteil des LG Chemnitz vom 25.09.2015: Zwangsvollstreckung der Adaxio AMC GmbH (ehemaligen Paratus AMC GmbH) ist unzulässig!

Das LG Chemnitz stellte mit einer durch den sachbearbeitenden Rechtsanwalt Göpfert erstrittenen Entscheidung vom 25.09.2015 erneut fest, dass die seitens der Adaxio AMC GmbH betriebene Zwangsvollstreckung (mehr erfahren)
2. August 2015

LG Frankfurt a.M. verurteilt Adaxio AMC GmbH (ehemalige Paratus AMC GmbH) mit Entscheidung vom 08.06.2015

Das LG Frankfurt a.M. urteilte mit einer durch den sachbearbeitenden Rechtsanwalt Dr. Hoffmann erstrittenen Entscheidung vom 08.06.2015, dass die seitens der Paratus AMC GmbH, die sich (mehr erfahren)
1. März 2015

Adaxio AMC GmbH: Forderungsabtretungen in großem Stil an ausländische Gesellschaften (E-MAC DE, Stichting Security Trustee E-MAC DE, L2 B.V.)

Die Paratus AMC GmbH, die aktuell unter Adaxio AMC GmbH firmiert, wurde im Dezember 2014 im Wege einer Umwandlung auf die bereits existente AMC Deutschland Holding (mehr erfahren)
27. März 2014

BGH schafft mit 90-Prozent-Regel Rechtssicherheit bei Schrottimmobilien

In einer Entscheidung vom 24.01.2014, Az.: V ZR 249/12, stellte der Bundesgerichtshof fest, dass grundsätzlich ab einer Überteuerung von 90 Prozent von einer sittenwidrigen Kaufpreisüberhöhung auszugehen (mehr erfahren)
26. Juli 2013

LG Kassel verurteilt Paratus AMC GmbH: GMAC-RFC Bank GmbH verschloss vor der sittenwidrigen Kaufpreisüberhöhung ihre Augen

In der jüngst ergangenen Entscheidung vom 14.06.2013 stellte das LG Kassel fest, dass sich die ehemalige GMAC-RFC Bank GmbH, die jetzt unter Paratus AMC GmbH firmiert, (mehr erfahren)
16. Mai 2013

GMAC-RFC Bank GmbH / Paratus AMC GmbH Verfahren: OLG Frankfurt a.M. hebt negative Entscheidung des LG Wiesbaden auf

Die Gerichte kommen in Rechtsstreitigkeiten, in denen es oftmals um weitaus weniger als in den so genannten Schrottimmobilienfällen geht, ihrer Pflicht, den Sachverhalt aufzuklären und die (mehr erfahren)
28. September 2012

OLG Dresden verurteilt Paratus AMC GmbH

In einer bislang wenig beachteten, jedoch bahnbrechenden Entscheidung vom 28.06.2012, 9 U 1758/11, stellte das OLG Dresden fest, dass sich die ehemalige GMAC-RFC Bank GmbH, die (mehr erfahren)
27. August 2011

HypoVereinsbank haftet für arglistige Täuschung des Vertriebs über die erzielbare Miete – BGH bestätigt Urteil des OLG Köln

In den „Schrottimmobilienfällen“ gibt es typischerweise zwei Hauptansatzpunkte für eine Haftung der finanzierenden Bank. Zum einen ist der Bank regelmäßig vorzuwerfen, eine sittenwidrig überteuerte Immobilie finanziert (mehr erfahren)
21. Februar 2009

Bundesverfassungsgericht stärkt die Rechte von Anlegern bei Schrottimmobilien

In der aus Anlegersicht in ihrer Bedeutung kaum hoch genug einzuschätzenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 10.02.2009 rügte das höchste deutsche Gericht die Verletzung des Anspruchs auf (mehr erfahren)
3. Mai 2008

BGH bestätigt Entscheidung des OLG Nürnberg zur Haftung der Bank, falls sie vor der sittenwidrigen Überteuerung einer Schrottimmobilie „die Augen verschlossen“ hat

In der Entscheidung des Bankrechtssenats vom 29.04.2008 bestätigte der BGH das in einem von Rechtsanwalt Göpfert geführten Verfahren vor dem OLG Nürnberg erstrittene Urteil vom 30.03.2007, (mehr erfahren)
6. November 2007

Landgericht München I, 4 O 10713/05, verurteilt Hypo Real Estate Bank AG ( HRE ) zum Schadensersatz

Der von Rechtsanwalt Göpfert vertretene Kläger hatte 1997 zusammen mit seiner Frau eine Steuersparimmobilie in Reichenbach/Vogtland erworben. Nach einem Sachverständigengutachten war der Kaufpreis der Immobilie im (mehr erfahren)